Domestic Workers

Projektleitung: Bernhard Emunds

Projektbearbeitung: Isabell Merkle

Laufzeit: Dezember 2013 - November 2014

Bernhard Emunds und Isabell Merkle unterstützen mit ihrer Arbeit die von der deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Sachverständigengruppe "Weltwirtschaft und Sozialethik" dabei, eine Studie zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen von Hausangestellten zu erstellen. In dieser Studie soll eine Analyse der entwicklungspolitischen und weltwirtschaftlichen Aspekte von domestic work durch eine ethische Einschätzung von bezahlter Hausarbeit in Privathaushalten und durch einige politische Reformvorschläge ergänzt werden. Hintergrund der Studie bilden die folgenden Überlegungen:

In vielen peripheren Ländern haben Familien der Ober- und Mittelschichten häufig eine Hausangestellte. Auch in Nordamerika und in Westeuropa nimmt seit einigen Jahren die Beschäftigung in Privathaushalten wieder deutlich zu. Hintergrund für diese Zunahme ist u.a. die verstärkte Erwerbspartizipation der Frauen, der keine ähnlich starke Partizipation der Männer an der Haus- und Familienarbeit gegenübersteht. Hier sind vor allem Migrantinnen in der Pflege, der Kinderbetreuung und der Wohnungsreinigung beschäftigt.

Im Vergleich zur Beschäftigung in Unternehmen folgt die Erwerbsarbeit in privaten Haushalten sehr viel weniger formalen Regeln. Das entspricht der besonderen Bedeutung von Vertrauen und wechselseitiger Vertrautheit, die der Arbeit in der Privatsphäre eines Anderen zukommt. Zugleich bedeutet diese Informalität, dass viele Schutzregeln für abhängige Beschäftigung nicht gelten - oder weniger konsequent als bei Unternehmen durchgesetzt werden. Die "domestic workers", die zumeist schlecht über ihre Rechte informiert sind und sich nur selten zur Vertretung eigener Interessen organisieren, werden nicht als Arbeitnehmerinnen wahrgenommen - und entsprechend auch nicht wie Arbeitnehmerinnen geschützt. Dabei sind sie häufig auf die Erwerbstätigkeit angewiesen, so dass die Informalität ihre Abhängigkeit vom Arbeit- oder Auftraggeber und ihre Verletzlichkeit für ausbeuterische Praktiken deutlich erhöht. Extreme Abhängigkeit und Ausbeutung von Hausangestellten sind in den weltwirtschaftlich peripheren Ländern weit verbreitet. Unfaire Bedingungen für Haushaltsarbeiterinnen sind aber auch in den Industrieländern nicht selten - z.T. auch deshalb, weil aufenthaltsrechtliche Probleme oder die Verweigerung eines legalen Zugangs zum Arbeitsmarkt die Position der erwerbstätigen Migrantinnen weiter schwächen.

In vielen peripheren Ländern ist die Haushaltsarbeit von Frauen bei wohlhabenderen Familien eine wichtige Einkommensquelle für Haushalte in ärmeren Schichten. Die Arbeitsmigrantinnen in den Industrieländern und ihre Familien profitieren von - aus ihrer Sicht - recht guten Löhnen, die Herkunftsländer von den "remittances". Solchen Vorteilen stehen u.a. folgende Problemlagen gegenüber: in den Familien der Haushaltsarbeiterinnen Versorgungsdefizite und hohe Belastungen für die Beziehungen, extremes kompensatorisches Konsumverhalten der Kinder; in ländlichen Regionen Entwicklungsprobleme durch die weitgehende Abwesenheit der "mittleren" Generation; für die Haushaltsarbeiterinnen selbst nicht selten schlechte, z.T. unwürdige und langfristig gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen sowie ggf. sogar die Erfahrung von Gewalt oder sexueller Ausbeutung.

2011 hat die ILO die Konvention 189 für die menschenwürdige Arbeit von "domestic workers" verabschiedet; im Sommer 2013 wurde sie von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert. Die Anliegen der Konvention sind in der deutschen Öffentlichkeit kaum präsent, obwohl das Thema "domestic workers" entwicklungspolitisch, aber auch für die wirtschaftliche und soziale Integration Europas sowie für die Migrations- und Arbeits(markt)politik in Deutschland von hoher Bedeutung ist. Nicht einmal der geringe Arbeitsschutz von Migrantinnen, die in westeuropäischen Privathaushalten erwerbstätig sind, und die besondere Beanspruchung von Osteuropäerinnen in der 24-Stunden-Betreung von Pflegebedürftigen werden breit diskutiert. Eine der zentralen Aufgaben der Christlichen Sozialethik und der kirchlichen Sozialverkündigung besteht aber darin, auf Gerechtigkeitsprobleme aufmerksam zu machen, die häufig übersehen werden. Der thematische Schwerpunkt der Studie liegt auf der Verbindung zwischen den entwicklungspolitisch-weltwirtschaftlichen Aspekten des Themas mit den Fragen der deutschen bzw. europäischen Migrations- und Arbeits(markt)politik.

Fachtagung "Wen kümmert die Sorgearbeit? Gerechte Arbeitsplätze in Privathaushalten"

Studie "Wen kümmert die Sorgearbeit? Gerechte Arbeitsplätze in Privathaushalten"

Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte der Studie