Kirchliche Krankenhäuser im Umbruch

Projektleitung: Friedhelm Hengsbach SJ

Projektbearbeitung: Tobias Jakobi

Laufzeit: November 2003 - Januar 2007

Gefördert von: Hans Böckler Stiftung  

Das Projekt "Kirchliche Krankenhäuser im Umbruch" untersucht am Beispiel des Krankenhaussektors die Mitbestimmungspolitik als Teil der Arbeitsbeziehungen bei Caritas und Diakonie.

Über die konfessionelle Mitbestimmungspolitik ist aus sozialwissenschaftlicher Sicht so gut wie nichts bekannt. Mitbestimmungsfragen sind vornehmlich das Feld spezialisierter Arbeitsrechtler. Dies ist den konkreten arbeitsrechtlichen Problemen angemessen, die im Alltag der Einrichtungen auftreten. Damit besteht in der Regel ein rechtswissenschaftlicher und praktischer, d. h. ein an der Lösung von konkreten Rechtsproblemen orientierter Zugriff auf das kollektive kirchliche Arbeitsrecht, der von der Sache her logischerweise wiederum inner-konfessionell ist. Die Darstellung des Rechtsgebiets geschieht dagegen in der Zusammenschau des katholischen und des evangelischen Bereichs. Betont wird damit die vorhandene Ähnlichkeit des kodifizierten Rechts. Inter-konfessionell gibt so ansatzweise einen Vergleich des geschriebenen Rechts in den arbeitsrechtlichen Darstellungen. Dagegen ist die Kenntnis über die Mitbestimmungspolitik - also darüber welche Akteure auf welchen Ebenen wie das System und die Praxis der Mitbestimmung im konfessionellen Bereich gestalten - gering. Zwar bestehen persönliche Kontakte zwischen Wissenschaftlern und Mitarbeitervertretern sowie Gewerkschaftern. Ein systematisches Wissen über die Praxis der Mitbestimmung und der Mitbestimmungspolitik, noch dazu im inter-konfessionellen Vergleich, gibt es allerdings nicht. Dazu trägt auch bei, dass sich die sozialwissenschaftliche Mitbestimmungsforschung fast ausschließlich auf die Industriearbeit und dort seit dem Ende der 1970er weit mehr auf die Ebene des Betriebsrates als die der überbetrieblichen Akteure konzentriert hat, die in einer vorangegangenen Forschungswelle erschöpfend erforscht schienen. Zu diesem Zeitpunkt jedoch beginnt überhaupt erst die Entwicklung des kollektiven kirchlichen Arbeitsrechts und damit die Formation des Politikfeldes "Mitbestimmungspolitik im kirchlichen Bereich". Eine einzelne sozialwissenschaftliche Studie zur Realität der Mitbestimmung haben Beyer und Nutzinger für den evangelischen Bereich vor fast 15 Jahren vorgelegt. Sie konzentriert sich allerdings ebenfalls auf die Ebene der Einrichtung beziehungsweise der Mitarbeitervertretung, während die überbetrieblichen Vertretungsstrukturen nicht beleuchtet werden. Die Studie von Beyer und Nutzinger ist bisher ohne Nachfolgestudien geblieben.

Das Projekt "Kirchliche Krankenhäuser im Umbruch" erschließt deshalb im ersten Schritt die überbetriebliche Ebene der konfessionellen Mitbestimmungspolitik empirisch und beschreibt die jeweiligen Akteure und ihre Interaktionsbeziehungen im konfessionellen Vergleich. In einem zweiten Schritt wird exemplarisch die betriebliche Mitbestimmung bei zwei evangelischen und zwei katholischen Krankenhausträgern untersucht. Dabei ist die Frage leitend, welche Faktoren die Interaktionsform auf der betrieblichen Ebene prägen und ob hier spezifisch konfessionelle Faktoren identifiziert werden können.

Zum Endbericht