Rekonstruktion von Vorstellungen gerechter Verteilung

Projektleitung: Friedhelm Hengsbach SJ

Projektbearbeitung: Matthias Möhring-Hesse

Gefördert von: Hans Böckler Stiftung

Eine gesellschaftsethische Analyse von normativen Konzeptionen der gesellschaftlichen Verteilung und insbesondere der sozialstaatlichenm Umverteilung

Wie und mit welchen Anteilen der gesellschaftlich verfügbare Reichtum und dabei insbesondere das arbeitsteilig produzierte Volkseinkommen auf die Menschen und zwischen den Klassen aufgeteilt werden soll, wird - mehr oder weniger explizit - in der sogenannten Standortdebatte genauso diskutiert wie in den Debatten um ein Bündnis für Arbeit und den Umbau des Sozialstaates. In diesen Debatten drückt sich aus, dass der für die Bundesrepublik über mehrere Jahrzehnte relativ stabile Verteilungskompromiss brüchig geworden ist - und zwar auch hinsichtlich seiner normativen Implikationen über die gerechte Verteilung. Dieser Verteilungskompromiss lag einerseits auf der liberalen Idee der Leistungsgerechtigkeit und anderseits auf dem Ideal vergleichbarer Lebenslagen und dem universalen Anspruch gleicher Menschenwürde auf. Deswegen begründete er auch eine mittlere Position zwischen einer marktförmigen Verteilung über ungleiche Einkommen und einer sozialstaatlichen (Gleich-) Verteilung über Sozialtranfers. Jedoch war die leistungsbezogene Gerechtigkeitsvorstellung dominant, so dass die marktvermittelte Primärverteilung der sozialstaatlichen Umverteilung normativ und strukturell vorgeordnet wurde. Diese Vorstellung einer gerechten Reichtumsverteilung ist bereits in den letzten zwei Jahrzehnten aus zwei Gründen problematisch geworden. Erstens haben die sozialstrukturellen Entwicklungen bewirkt, dass diese Vorstellung nicht mehr als plausibel angesehen wird und folglich auch die neu auftretenden Verteilungskonflikte nicht mehr regeln kann. Zweitens ist sie den inzwischen veränderten Gerechtigkeitsvorstellungen nicht angemessen, die insbesondere durch neue Dimensionen angereichert sind. In dieser Situation soll eine Konzeption von Verteilungsgerechtigkeit entfaltet und begründet werden, die zwar an den Verteilungskompromiss der frühen Bundesrepublik, insbesondere an dessen mittlere Position zwischen einer marktvermittelten Verteilung über ungleiche Einkommen und über (sozial-)staatliche Transfers anschließen, dabei jedoch dessen Defizite überwinden kann. Verteilungsstrukturen werden dadurch legitimiert, dass sie für die Reproduktion einer demokratischen Gesellschaft funktional sind: Die Verteilung gleicher, wenn auch nur grundlegender Anteile am verfügbaren Reichtum ist für demokratische Gesellschaften eine notwendige Bedingung, um allen Gesellschaftsmitgliedern die Chancen zu garantieren, ihre eigenen Interessen politisch selbst zu vertreten. Auf dieser Grundverteilung können demokratische Gesellschaften - etwa im gemeinsamen Interesse an einem möglichst hohen Sozialprodukt - die marktförmigen Verteilungsstrukturen auch so einrichten, dass einzelwirtschaftliche Tätigkeiten zu ungleichen Einkommen führen. Die ungleiche Beteiligung am erwirtschafteten Einkommen wird dann aus der Effizienz der jeweiligen Volkswirtschaft und dabei aus der Einkommenssicherung für alle beteiligten Marktparteien legitimiert.  


Das Ergebnis des Projekts finden Sie hier: