Oswald von Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik

In Zeiten der Krise und des gesellschaftlichen Umbruchs ist auch die Ethik wieder gefragt.

Sozialethik mit Tradition...

Das Nell-Breuning-Institut trägt einen großen Namen und knüpft damit an eine reiche Tradition der Wirtschafts- und Gesellschaftsethik an: Die Geschichte der Bundesrepublik begleitete Oswald von Nell-Breuning als ihr Nestor der katholischen Soziallehre. Bischöfe und kirchliche Verbände, Gewerkschaften und Parteien, wissenschaftliche und politische Institutionen würdigten seinen herausragenden Einsatz für soziale Gerechtigkeit wie auch die ungewöhnliche Breite seiner wissenschaftlichen Kompetenz. Denn der Jesuitenpater lehrte nicht bloß über Politik; er machte sie auch in erster Person. Seine politischen Positionen waren aber immer das Ergebnis ernsthafter Wirtschaftsethik und Gesellschaftsethik, die auch die Forschung anderer sozialwissenschaftlicher Disziplinen einbezog.
Die Hochschule Sankt Georgen, über Jahrzehnte Forschungsstätte und Lebensmittelpunkt des Jesuitenpaters – hat vor einigen Jahren das Oswald von Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik eingerichtet. Aufgabe des Instituts ist es, die wirtschafts- und gesellschaftsethische Forschung an der Hochschule fortzuführen.  

...aber nicht traditionalistisch!

Unter den veränderten gesellschaftlichen wie auch wissenschaftlichen Bedingungen wird am Nell-Breuning-Institut die christliche Wirtschafts- und Gesellschaftsethik nicht einfach fortgeschrieben, sondern innovativ weiterentwickelt:  

  • Ihre wissenschaftliche Kompetenz wird durch interdisziplinäre Forschungsarbeit gestärkt, dabei aber zugleich auf die Praxisreflexion politisch engagierter Christen und Christinnen bezogen.
  • Ihre ethischen, theologischen und sozialwissenschaftlichen Grundlagen werden überprüft und auf die Standards moderner und pluraler Gesellschaften eingestellt.
  • Schließlich wird die wirtschafts- und gesellschaftsethische Forschung auf die großen Zukunftsaufgaben und daher auch auf neue Akteure gesellschaftlicher Reformpolitik, deren Ziele und Aktionsformen ausgerichtet.

Ethik in einer gespaltenen Welt

Mit dem einfachen "Weiter so ..." läßt sich die Zukunft nicht wirklich meistern. Im Gegenteil: Weil die Instrumente bundesdeutscher Politik nicht neu ausgehandelt werden, schreitet die Bundesrepublik weiter auf dem Weg einer gespaltenen Gesellschaft voran, werden nämlich wachsenden Bevölkerungsteilen die für die Bevölkerungsmehrheit selbstverständlichen Lebensmöglichkeiten vorenthalten. Gespalten ist aber auch die Weltgesellschaft, die sich gerade im Zuge ökonomischer Verflechtungen entwickelt, zugleich aber ganze Regionen dieser Welt dem Elend und dem Terror überläßt.

Politik aus dem Glauben

Die christliche Hoffnung auf Gottes Heil beruft die Christen zu politischem Engagement, um Gottes Frieden und Gerechtigkeit hier und jetzt anbrechen zu lassen. Erst in jüngerer Zeit haben Christen und Christinnen neu gelernt, daß sie in ihrem Handeln die Option Gottes für die Armen nachvollziehen sollen. In der Situation zunehmender gesellschaftlicher Spaltung ruft der parteiliche Gott sie deshalb zur Parteinahme gerade für die Armen und Ausgeschlossenen, zu deren Lasten andere ihren Wohlstand leben. Als Stimme der Stimmlosen bestimmen sie zuvorderst ihre Kirche(n). Politik aus dem Glauben derart zu denken, dazu dient die christliche Gesellschaftsethik.  

Ethik für gerechte Politik

Politisch engagierte Christen und Christinnen haben ihren Ort in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Auch wenn sie dabei ihrer Gotteshoffnung praktische Gestalt geben wollen, vertreten sie dennoch keine sektiererische Sondermoral. Vielmehr haben sie ihre Vorstellungen von einer gerechteren Zukunft mit guten Gründen auszustatten, die auch alle anderen Menschen überzeugen können. Politisch engagierte Christen und Christinnen dabei zu unterstützen, betrachtet das Nell-Breuning-Institut als seine Aufgabe.