Kolloquium zu Werken von Pierre Rosanvallon

An zwei Vormittagen im Juni und Juli 2017 fand am Nell-Breuning-Institut ein wissenschaftliches Kolloquium zu zwei Werken von Piere Rosanvallon, französischer Professor für moderne und gegenwärtige Politikgeschichte, statt. Ungefähr 15 Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Studierende der Hochschule Sankt Georgen und der Goethe-Universität erörterten und diskutierten unter der Leitung von Prof. Dr. Bernhard Emunds und Prof. Dr. Christof Mandry die Werke "Die Gesellschaft der Gleichen" (2013) und "Die gute Regierung" (2016), mit denen der Autor "einige bemerkenswerte Impulse für die theoretische Begründung demokratischer Gesellschaftsordnungen und deren praktische Gestaltung" (siehe Anna Hollendung in Zeitschrift für philosophische Literatur 1/2013) gesetzt hat.

In "Die Gesellschaft der Gleichen" geht es um die historische Rekonstruktion der Bedeutung und Entwicklung von Gleichheit, Ungleichheit und Umverteilung, unter anderem am Beispiel der Länder Frankreich und USA. Er stellt seinen ersten, umstrittenen Entwurf einer Gesellschaft der Gleichen vor, in der Gleichheit mit den Prinzipien von Singularität, Reziprozität und Kommunalität umschrieben ist. Beziehungsgleichheit ist die wichtigste Form von Gleichheit, Verteilungs- und Umverteilungsgleichheit kommen danach.

In "Die gute Regierung" erörtert der Autor die Varianten sowie Chancen und Probleme der Regierungsform Demokratie als Herrschaft des Volkes. Damit die Demokratie und das demokratische Bewusstsein nicht verschwinden, braucht es nach Rossanvallon die Möglichkeit und Befähigung der Bürgerinnen und Bürger, sich an demokratischen Abläufen zu beteiligen. Durch eine zweite demokratische Revolution soll es zur Transformation einer (passiven) Genehmigungsdemokratie zur (aktiven) Betätigungsdemokratie kommen. Letztere ist durch die Werte der Lesbarkeit, Verantwortung, Reaktivität, Wahrsprechen und Integrität gekennzeichnet.

Zusammenfassung: Michael Wolff