Sozialethisches Doktorandenkolloquium am 2. März 2015

Am 2. März 2015 fand in Sankt Georgen ein Sozialethisches Doktorandenkolloquium statt, an dem Vertreterinnen und Vertreter der Abteilung für Christliche Anthropologie und Sozialethik der Fakultät für Katholische Theologie der Universität Mainz, des Oswald von Nell-Breuning-Instituts für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik sowie weitere Interessierte der Hochschule Sankt Georgen teilgenommen haben. Verschiedene Dissertationsprojekte wurden in der Veranstaltung vorgestellt.

Im ersten Beitrag stellte Michael Wolff, Diplom-Soziologe und Sozialwirt M.A. am Oswald von Nell-Breuning-Institut, seine ersten Überlegungen zu einem Dissertationsprojekt, welches sich mit dem Wandel der Alterssicherung im europäischen Vergleich (z.B. Deutschland, Großbritannien/Niederlande, Schweden/Dänemark, Italien/Spanien, Schweiz) beschäftigen soll. Konkret stellte er dazu im Kolloquium ein Paper zum Thema „Gerechtigkeitsprobleme der Alterssicherung in Deutschland“ vor: In der gesetzlichen Rentenversicherung gilt seit 1957 der Generationenvertrag, dessen Vater u.a. Oswald von Nell-Breuning ist. Dieses bewährte System steht vor der Herausforderung des demografischen Wandels: Im letzten Jahrhundert ist die Lebenserwartung um mehr als 30 Jahre gestiegen und der Anteil der über 65-Jährigen hat sich in diesem Zeitraum verdreifacht. Das Verhältnis zwischen Versicherten und Rentnerinnen und Rentner gerät ins Ungleichgewicht. Seit Mitte der Fünfzigerjahre haben sich die Beitragssätze für die Versicherten nahezu verdoppelt.
In den letzten 20 Jahren wurden zahleiche so genannte Rentenreformen durchgeführt,
die vor allem durch Leistungseinschränkungen, die Absenkung des Rentenniveaus und die Anhebung der Regelaltersgrenze geprägt waren. Daraus ergeben sich für das heutige Rentensystem, die Gesellschaft sowie die einzelnen AltersrentnerInnen einige Gerechtigkeitsfragen.

Dipl-.Theol. Christoph Krauß, Universität Mainz, präsentierte eine Skizze der Ergebnisse seiner in der Endphase befindlichen Dissertation. In dieser beschäftigt er sich aus sozialethischer Sicht mit den Konditionalitäten der Internationalen Finanzinstitutionen (Internationaler Währungsfonds und Weltbankgruppe, kurz IFIs) in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) und den Bedingungen, die entwicklungspolitische Nicht-Regierungs-Organisationen (NROs) ihren Partnern für eine Zusammenarbeit stellen. Konditionalitäten formulieren die IFIs, um mit der Kreditvergabe (wirtschafts-) politische Vorgaben zu verbinden. NROs machen ebenfalls Vorgaben, wie mögliche Partner in den Ländern des globalen Südens sich verhalten sollen, um Partner der jeweiligen NRO sein zu können. Krauß bewertet diese Arten von Vorgaben nun anhand des dahinter stehenden Entwicklungsbegriffs sowie der Bedeutung der Menschenwürde und der Option für die Armen in diesen Konzepten. Dabei kommt er zu dem vorläufigen Ergebnis, dass IFIs und NROs unterschiedliche sozialethische Defizite aufweisen; so denken die IFIs den Entwicklungsbegriff nicht umfassend genug, während die NROs oft gar keine klare Vorstellung von „Entwicklung“ haben. Ohne dies hier näher darstellen zu können, wird in der Dissertation deutlich werden, dass es keine eindeutige Zuschreibung guter oder schlechter Entwicklungszusammenarbeit an eine Akteursgruppe geben kann.

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und der gesellschaftlichen Entwicklungen in Familie und Arbeitswelt stellt die Versorgung der alten und pflegebedürftigen Menschen eine große gesellschaftliche Herausforderung dar. Der allerorts beklagte Pflegenotstand zeigt, dass es ein ‚“weiter so“ ausgeschlossen ist. Frau Dipl. Theol. Myriam Ueberbach stellte das, vor allem durch Thomas Klie in die politische Debatte eingebrachte Konzept der Caring Cummmunity vor. Es wurde von den Kolloquiums-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern unter sozialethischen Gesichtspunkten angeregt diskutiert.