Nr. 11 - Der Beitrag der Diskurstheorie der Moral zur wirtschaftsethischen Diskussion

Bernhard Emunds

Erheben soziale Bewegungen, Verbände oder kirchliche Initiativen gegenüber der Art, wie heute gewirtschaftet wird, ethische Forderungen, so löst dies bei ManagerInnen und ÖkonomInnen meist nur Verärgerung aus. Für sie werden damit ethische Ansprüche "von außen" in einen Handlungsbereich hineingetragen, obwohl dieser doch - zum Wohle aller - am besten funktioniere, wenn die ökonomischen Akteure nicht mit den Normen oder Wertvorstellungen anderer belastet würden. So ist ein nicht unerheblicher Teil der wirtschaftsethischen Veröffentlichungen darum bemüht, "die" Wirtschaft und ihre Eigenlogik gegen kapitalismuskritische Strömungen in Schutz zu nehmen. Nicht umsonst fällt die Hochkonjunktur der deutschsprachigen Wirtschaftsethik in die zweite Hälfte der 80er Jahre, als einerseits die über zehn Jahre anhaltende Massenarbeitslosigkeit, die spürbarer werdenden Grenzen des Wachstums und die Schuldenkrise der sog. Dritten Welt die Legitimitätsdefizite der kapitalistischen Wirtschaft vertieften, andererseits aber die prosperierende Volkswirtschaft der ethischen Reflexion wirtschaftlichen Handelns eine günstige Großwetterlage bescherte.

Im folgenden soll dargestellt werden, was die Diskurstheorie der Moral, sowie sie Jürgen Habermas im Kontext einer Theorie kommunikativen Handelns entwickelt hat, zu den Grundlagendebatten der Wirtschaftsethik beitragen kann. Dazu werden Positionen deutschsprachiger Wirtschaftsethiker mit wesentlichen Einsichten der Diskursethik und ihres gesellschaftstheoretischen Kontextes konfrontiert. Das erste Kapitel zeigt, daß eine ethische Grundlegung der Wirtschaftsethik allein aus dem Konzept ökonomischer Rationalität heraus nicht möglich ist. Notwendig ist eine nicht auf ökonomisch funktionalistische Argumente beschränkte moralphilosophische Fundierung. Wie eine solche Moralphilosophie in modernen Gesellschaften betrieben werden kann, ist die große Streitfrage zwischen den MoralphilosophInnen in aristotelischer und denen in Kant'scher Tradition. Den neoaristotelischen Ansatz einer Ethischen Ökonomie kritisiert daher das zweite Kapitel, in dem sie diesen mit der diskurstheoretischen Rekonstruktion des moralischen Gesichtspunktes konfrontiert. Das dritte Kapitel schließlich stellt zwei Versuche vor, Wirtschaftsethik auf der Grundlage der Diskurstheorie der Moral zu betreiben.  

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