Nr. 36 - Der IWF - Entwicklungshelfer oder Löschzugführer?

von Friedhelm Hengsbach SJ/ Judith Behnen/Bernhard Emunds (Hg.)

Seit über zwei Jahrzehnten bringen die insgesamt sehr mäßigen Erfolge der Struk­tur­an­pas­sungen in Afrika und Lateinamerika die entwicklungspolitische Öffentlichkeit immer wieder gegen den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank auf. Bis Mitte der 90er Jahre ließ sich der Fonds von diesen vielfach heftigen öffentlichen Angriffen allerdings kaum irritieren, weil er einen Konsens der mächtigen Anteilseigner im Rücken hatte. Als sich jedoch die Finanz- und Währungskrisen häuften, kritisierten den Fonds auch Kreise innerhalb des wirtschaftswissenschaftlichen Mainstreams und unter den Wirtschafts- und AußenpolitikerInnen der USA – und damit unter den VertreterInnen exakt jenes Industrielandes, als dessen verlängerter Arm der IWF in vielen Entwicklungsländern gilt. Vor allem die eklatanten Fehler des Fonds zu Beginn der Asienkrise nährten Zweifel daran, dass der Fonds auf die Probleme, die sich aufdrängten, angemessen reagiere. Zugleich wuchsen die Mittel, die der IWF in den Krisen einsetzte, in vorher unvorstellbare Höhen. Die gestiegenen finanziellen Lasten, die sich über Quotenerhöhungen auf die Haushalte der Anteilseigner auswirkten, erhöhten den Druck auf den Fonds, seine Politik zu legitimieren.  

Anfang des Jahres 2000 spitzte sich für den IWF die Lage zu. Um die Nachfolge Camdessus´ auf dem Chefsessel des Fonds gerieten die Europäer, vor allem die deutsche Regierung, und die Clinton-Administration in einen offenen Streit. Etwa zur gleichen Zeit veröffentlichte die sog. Meltzer-Kommission, eine offizielle Expertengruppe des US-Kongresses, weitreichende Vorschläge zur Neuausrichtung der Internationalen Finanzinstitutionen, die von den VertreterInnen europäischer Regierungen postwendend zurückgewiesen wurden.  

Wenig später wurde mit der Wahl Horst Köhlers zum neuen "Managing Director" des IWF zwar ein Prozess eingeleitet, der allmählich dazu führte, dass sich die transatlantischen Verstimmungen beruhigten. Aber die inhaltliche Diskussion über die künftige Rolle des Fonds stand noch einige Monate länger im Blickpunkt der wirtschaftspolitisch interessierten Öffentlichkeit. In diese Zeit einer intensiven Auseinandersetzung um die Bedeutung des Fonds fiel die sechste Fachkonferenz, zu der das Nell-Breuning-Institut, die Hans-Böckler-Stiftung und das Institut für Theologie und Frieden am 10. und 11. Oktober 2000 nach Frankfurt am Main eingeladen hatten. Der vorliegende Reader dokumentiert die Vorträge dieser Konferenz.

 

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