Nr. 45 - Offshoring von Dienstleistungen. Trends, Ausmaße und Folgen

von Wolf-Gero Reichert

Die Verlagerung von Dienstleistungen in Niedriglohnländer war in den letzten Jahren auch in Deutschland ein heiß diskutiertes Thema. In der öffentlichen Wahrnehmung tritt es als weiteres Bedrohungsszenario neben das der Verlagerung von Arbeitsplätzen aus dem verarbeitenden Gewerbe: die deutschen Arbeitnehmer seien zu teuer, die absoluten Kostennachteile vor allem aufgrund der Lohnnebenkosten exorbitant, der Arbeitsmarkt überreguliert und unflexibel, während ihnen dynamische, billige und zunehmend gut ausgebildete Arbeitnehmer in anderen Erdteilen Konkurrenz um das knappe Gut Arbeit machen… die Botschaft, die fast unisono aus allen Lagern und Parteien schallt, lautet: entweder wir schnallen alle den Gürtel enger oder wir verarmen gemeinsam!

Das Dienstleistungsoffshoring ist ein weiterer Schritt in Richtung Internationalisierung der Entwicklungs- und Produktionsprozesse. Obwohl Dienstleistungen schon seit Anfang der 1990er Jahre zwischen 50 und 60 % aller ausländischen Direktin-vestitionen (FDI) ausmachten, beunruhigte dies kaum, da Dienstleistungen als nicht über Grenzen hinweg handelbar galten. Doch seit den umfassenden Umwälzungen in den Informations- und Telekommunikationsmedien Ende der 90er treffen Auslagerungen aus Kostengründen nicht mehr nur Arbeitsplätze im unteren Lohnsegment des verarbeitenden Gewerbes, sondern auch hoch ausgebildete und gut bezahlte Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Bei genauerer Hinsicht erscheint die Sachlage weniger erschreckend; wenn negative Effekte zu befürchten sind, dann sind sie viel subtilerer Natur. Zudem fließen auch in den Standort Deutschland Investitionen – und es ist unklar, ob Zu- oder  Abflüsse überwiegen.

 

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