Nr. 65 - Laudato si' - Ein öko-soziales Rundschreiben in euphorischem Überschwang?

Das erste Rundschreiben, das Papst Franziskus veröffentlicht hat, beginnt mit einem Lied, das in Deutschland an Jugendgottesdienste und Lagerfeuer erinnert, an einen Ohrwurm, der auf dem Kadenzschema: Tonika, Mollparallele, Subdominante, Dominante beruht, mit vier Schlägen auf jedem Akkord (Nr.1). Zum Abschluss des Dokuments lädt der Papst zu zwei Gebeten ein: das erste Gebet „für unsere Erde“ können alle sprechen, die an Gott glauben; zum zweiten Gebet sind die Christen eingeladen, es zusammen „mit der Schöpfung“ zu sprechen (246).

Nicht nur der Auftakt und der Schlussakkord klingen für ein päpstliches Rundschreiben sensationell, sondern auch die persönliche Handschrift des Papstes. Die Sprache ist klar und kantig, eindringlich und gewinnend, sie versprüht ein farbiges Spektrum mit präzisen Diagnosen, biblischen Erzählungen, zornigen Vorwürfen und Schuldzuweisungen, lyrischem Staunen und tiefsinniger Spurensuche nach untergründigen Ursachen, einfühlsamen pädagogisch-spirituellen Impulsen und religiösen Reflexionen.

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