Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser!

Das Management der Europäischen Schuldenkrise hält das politische System in Atem, beschränkt massiv die Möglichkeiten, andere politische Aufgaben weiter zu verfolgen. Finanzinstitute und institutionelle Anleger waren Hauptverursacher der Finanzkrise und sind auf verschiedene Weise mitverantwortlich für die Schuldenkrise. Trotzdem gerieren sie sich als unbestechliche Experten und zeigen den - scheinbar unfähigen - Regierungen, wo es fiskalpolitisch langgeht. Die Logik der Demokratie - die Lebensbedingungen der Bürgerinnen und Bürger verbessern, Verschlechterungen verhindern - und die Logik von Kreditbeziehungen - Erhalt der Kreditwürdigkeit um jeden Preis - stehen immer eindeutiger gegeneinander.

In den letzten Monaten haben sich die Mitarbeiter des Instituts vor dem Megathema Schuldenkrise nicht "gedrückt" - und haben doch zugleich auch an Beiträgen zur sozialethischen Orientierung für andere politische Herausforderungen weiter gearbeitet.

Wir hoffen, die eine oder andere Info dieses Newsletters "verführt" Sie/Euch dazu, einem Link zu folgen und wünschen Ihnen/Euch alles Gute für die Adventszeit und die letzten Wochen des Jahres.

Bernhard Emunds

 

NBI Standpunkt: Sündenbock Griechenland

von Friedhelm Hengsbach

Das biblische Sündenbock-Ritual findet offenbar in Krisenzeiten beständige Nachahmer: Vergehen einzelner oder Strukturfehler werden symbolisch einem Ziegenbock aufgeladen, den ein Priester anschließend in die Wüste, an den Ort der Dämonen jagt. Die Gesellschaft empfindet sich danach entlastet und jeder Verantwortung entbunden. Die Fixierung der deutschen Öffentlichkeit auf Griechenland als "Defizitsünder" und "Sündenbock" ist eine Fehlreaktion und die Folge fahrlässiger Desinformation durch die politische Klasse. Sie macht die Opfer zu Tätern. So genannte Täter sind indessen nicht nur unter den peripheren Ländern mit Leistungsbilanzdefiziten zu suchen.

 Auch Länder mit Leistungsbilanzüberschüssen - wie Deutschland - sind Bestandteil der Krise. Sowohl die deutschen Gewerkschaften und ihre zurückhaltende Lohnpolitik als auch die Regierungen, welche die Arbeitsverhältnisse entregelt und solidarische, umlagefinanzierte Sicherungen demontiert haben, tragen zu den regionalen Ungleichgewichten und zur Schieflage der Gläubiger-und Schuldnerpositionen im Euroraum bei. Die politischen und finanzwirtschaftlichen Eliten sind auf das Gläubiger-Schuldner-Verhältnis nicht nur Griechenlands fixiert. Folglich diktieren sie schwächeren Ländern Spardiktate und Schuldenbremsen. Diese sind jedoch Waffen im Verteilungskampf öffentlicher und privater Interessen oder Stellschrauben zum Schrumpfen ganzer Volkswirtschaften. Die Folgen treffen zuerst die unteren Bevölkerungsschichten und zersetzen die demokratische Ordnung.

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Politische Predigten: Das Kreuz mit der Arbeit

Im Kohlhammer Verlag ist eine Sammlung politischer Predigten von Friedhelm Hengsbach SJ erschienen.

In den politischen Predigten werden biblische Texte ausgelegt und in der Konfrontation mit zeitgemäßen Fragestellungen erschlossen - u. a. mit geschichtlichen und aktuellen Sinnbildern menschlicher Arbeit, der Lohngerechtigkeit, den Niederlagen und Siegen der Arbeiterbewegung, dem Geldgewinn und Zeitnotstand, der Gleichstellung der Männer und Frauen in der Arbeit, der Schieflage der Verteilung, dem Versagen der Finanzeliten sowie dem Anspruch und der Realität kirchlicher Arbeitgeber.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Kommentare & Positionen

 

Texte von Friedhelm Hengsbach

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      Neues Projekt: Wissenschaftlicher Nachwuchs in der katholischen Theologie

      Im Auftrag der Kommission für Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz wird seit dem Sommer der wissenschaftliche Nachwuchs an den und für die Katholisch-Theologischen Fakultäten und Ausbildungsstätten in Deutschland statistisch erfasst. Dadurch wird eine Studie aktualisiert, die 2006 das Institut für Christliche Sozialwissenschaften im Münster unter der Leitung von Prof. DDr. Karl Gabriel durchgeführt hatte. Die Erhebung sollen einen Überblick über die zahlenmäßige Entwicklung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Fach Katholische Theologie ermöglichen. Das Projekt wird von Prof. Dr. Bernhard Emunds geleitet und von Silke Lechtenböhmer durchgeführt.

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