Gesundheit - eine Ware wie viele andere?

"Bloß nicht wieder ins Krankenhaus!" - "Bloß nicht ins Pflegeheim!" Sind solche Abwehrinstinkte kranker oder älterer Menschen berechtigt? Sollten die Deutschen nicht vielmehr stolz sein auf "eines der besten Gesundheitssysteme der Welt"?

Vergleiche machen neugierig. Wir verspüren die Neigung, hinter den Zaun zu blicken, um vielleicht von dem zu lernen, was dort geschieht. Um in der Auseinandersetzung mit dem Fremden uns der eigenen Identität zu vergewissern. Vergleiche können jedoch vorhandene Vorurteile bestätigen. Das Interesse an der Distinktion schärft den Blick auf Defizite und Nachteile der anderen, wird zum blinden Fleck, der uns darin bestätigt, dass wir besser oder gar die besten seien. Schließlich stochern Vergleiche im Nebel. Vergleichen lässt sich nämlich nur, was vergleichbar ist. Ein ganzes System ist überhaupt nicht, allenfalls einzelne seiner Komponenten sind vergleichbar. Aber wie kann vermieden werden, dass die Auswahl des Vergleichsmaßstabs beliebig oder willkürlich erfolgt? Was ist das "tertium comparationis"? Am einfachsten ist noch die Wahl des Quantitativen, des Abzählbaren. Wem diese Dimension zu trivial erscheint, ist auf die Analogie angewiesen. Beim analogen Vergleich ist die Unähnlichkeit jedoch immer größer als die Ähnlichkeit. Solche methodischen Bedenken eines Vergleichs von Gütern, etwa Gesundheitsdiensten, Hausbauten, Autoreparatur, oder von Einrichtungen, etwa ambulanten oder stationären Diensten, medizinischer oder pflegerischer Betreuung möchte ich meiner ethischen Reflexion über Gut Gesundheit im Vergleich mit andere Gütern voran stellen.

 

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