Glaube und Gerechtigkeit – Christliche Praxis im kirchlichen Exil

Friedhelm Hengsbach SJ

Wenn wir danach fragen, von welchen Schlagzeiten die Medien im vergangenen Jahr beherrscht waren, stoßen wir auf die Finanzkrise, den Klimawandel sowie die Rettungsversuche der Regierung, bedrohte Banken oder Unternehmen über Wasser zu halten.  

Überraschender Weise war auch die Religion häufig im Gespräch – beispiels­weise die Bemerkungen der Bischöfin Käßmann, dass in Afghanistan nichts gut sei, oder der Volksentscheid in der Schweiz über den Bau von Moscheen, oder das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, der sich gegen die Kreuze in öffentlichen Einrichtungen Italiens aussprach, oder das Hin und Her um die Verweigerung bzw. die Annahme eines Preises durch Kardinal Lehmann, der die Verdienste um den christlich-islamischen Dialog anerkennen sollte, oder die Absicht des Papstes, mit einem Kardinal und einer kirchlichen Gruppe den Friedensgruß auszutauschen, die den Holocaust bestreitet, oder schließlich die sexuellen Übergriffe und den Missbrauch pädagogischer und religiöser Macht an so genannten Elitegymnasien der Jesuiten und weiterer Orden.  

Außerdem wurde an der Nahtstelle von Religion und Politik um den EU-Beitritt der Türkei fortwährend debattiert, oder um den Kampf gegen den angeblich islamischen Terrorismus, um den Krieg zwischen Israel und den Palästinensern, um den kriegerischen Konflikt in Afghanistan sowie um das Projekt, die Ausbildung der Imame in Deutschland an staatliche Hochschulen anzubinden.

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