In der Krise lernen - Ein Neustart zum gelingenden Leben?

Friedhelm Hengsbach SJ

"Lasse ab vom Reichtum und suche stattdessen nach dem, das atmet."(Gilgamesch-Epos)  

Die Bundeskanzlerin erklärt, dass jede Krise die Chance eines neuen Aufbruchs biete. Aber worin der Neue Aufbruch besteht, deutet sie allenfalls vage an. Er scheint eher darin zu liegen, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wieder zu gewinnen angesichts der großen Herausforderungen der Globalisierung, des demografischen Wandels und der technischen Veränderungen.

In dem Ausmaß, wie die Systemfehler der Finanzmärkte identifiziert werden, etwa die Schieflage der Einkommens- und Vermögens­verteilung, die globalen und regionalen Ungleichgewichte, die unterschiedliche Steuerung der Vermögens- und Gütermärkte, die Kontamination der Banken durch die Kapitalmärkte, eine missratene Fristen­trans­formation, die Hebelwirkung des Verschuldungsgrads, die Unterkapitalisierung und Haftungs­be­schränkung, die Verflechtung der Rating Agenturen mit den einzustufenden Finanzunternehmen sowie eine überforderte öffentliche Aufsicht, liegen die finanztechnischen Instrumente bereit, um entsprechende politische Reparaturen vorzunehmen, zinsgünstige Kredite bereitzustellen, eine konjunkturelle Belebung und wirtschaftliches Wachstum anzuregen bzw. die Bildungsausgaben zu erhöhen und die Steuerbelastung zu mildern.

Im Folgenden sollen jedoch die finanztechnischen Reparaturen und politischen Optionen in einem größeren Zusammenhang gesehen werden. Deshalb werde ich einen normativen, politischen und sowie realwirtschaftlichen und finanzwirtschaftlichen Neustart skizzieren.

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