Vertrauen in der Beziehung, Konkurrenz auf dem Markt - Wer kann, wer will in der Krise lernen?

Friedhelm Hengsbach SJ

Meine Damen und Herren, Herr Präsident, verehrte Abgeordnete,  

ich bin dankbar und freue mich darüber, dass Sie mir die Gelegenheit bieten, Ihnen einige wirtschaftsethische Überlegungen zum Thema: "Vertrauen" vorzutragen.

"Vertrauen ist die Grundlage für alles, was wir in der Finanzwirtschaft tun. Es ist das Fundament für die Finanzmärkte", hat Präsident Haasis gestern erklärt. Wessen Vertrauen wurde so ausgezeichnet? Wer ist das Subjekt des Vertrauens? Eine erste Antwort hat Herr  Haasis gegeben, als er vom Vertrauen der Kunden sprach. Aber Herr Precht hat auch gesagt: "Vertrauen entsteht wechselseitig". Worauf gründet also das Vertrauen der Kunden? Herrn Precht meint: "Das Vertrauen des einen ist die Antwort auf ein verantwortungsvolles Handeln des andern". Wodurch wird das Vertrauen der Kunden gerechtfertigt? Dadurch, dass die Sparkassen verantwortlich, moralisch verantwortlich handeln. So die Antwort des Präsidenten. Darüber hinaus hat er eine weitere Dimension genannt, wie das Vertrauen der Kunden entsteht: "Kreditinstitute bieten Vertrauen an, sie schaffen Vertrauen" - und zwar durch stabile Strukturen wie etwa kommu­nale Trägerschaft, Dezentralität und Regionalität. Und er scheint indirekt anzudeuten, wie sehr das Vertrauen der Kunden zu einer Ressource des wirtschaftlichen Erfolgs der Sparkassen wird. "Mit dem Vertrauen der Kunden und unserer Träger werden wir die Zukunft gewinnen". Die in die Grundsatzrede des Präsidenten eingestreuten Bemerkungen über das Vertrauen als Profilmerkmal der Sparkassen bieten einen kreativen Impuls zur systematischen Reflexion über das Vertrauen sowohl in persönlichen Beziehungen als auch in marktwirtschaftlichen Systemen.

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