Zocken? Schaffen? Heilen? - Die Zukunft der Arbeit ist die Arbeit an den Menschen

Friedhelm Hengsbach SJ

"Raubt es Ihnen nicht den Schlaf, wenn Sie daran denken, was Sie angerichtet haben?", fragte der Chefermittler zur Bankenkrise im US-amerikanischen Kongress einen der ehemaligen Manager. "Wir sind nicht dafür verantwortlich, wirklich nicht. Sorry for that", war seine Antwort. Andere erklärten, dass man tanzen müsse, solange die Musik spielt. Kompliziert werde es, wenn sie plötzlich verstummt. Oder dass das Risiko einer solchen Krise wie das Risiko eines Hurrikans sei. Josef Ackermann rechtfertigt sich so: "Wir sind alle irgendwie Getriebene der Märkte. Wer in der ersten Reihe spielt, muss höhere Risiken eingehen, andernfalls ist er schnell draußen". Wirtschafts- und Finanzwissenschaftler, die mit ihren Analysen gescheitert sind, greifen zur lyrischen Poesie: Das Herz-Kreislaufsystem funktioniert expansiv und kontraktiv. Die Jahres­zeiten folgen einander – Früh­ling, Sommer, Herbst und Winter. Ebenso wechseln auf den Finanzmärkten expansive, euphori­sche Phasen und schrumpfende, depressive Phasen einander ab. Auf dem Hintergrund eines so gezeichneten Szenarios klingt die Frage: "Hätten die Lehmann Sisters es anders gemacht?" ziemlich verwegen, oder?

Ich will meine Überlegungen zur Zukunft der Arbeit als Teil eines Lernprozesses in der Krise, der aus der Krise herausführen kann, dreifach gliedern, indem ich säkulare Erwartungen formu­lie­re, gegenwärtige Bruchlinien darstelle und Chancen eines finanzpolitischen Neustarts erkunde.

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