Unsere Zeit in wessen Händen? Rebellion gegen den Zugriff lebensfeindlicher Regime

"Ich kann nicht mehr", klagt ein Mädchen auf der Titelseite eines verbreiteten Wochenmagazins über den Schulstress, der krank macht. Facharbeiter, die ihre Arbeitszeit relativ autonom gestalten können, sagen für die Projekte, an denen sie arbeiten, einen Endtermin zu, obwohl sie bereits wissen, dass sie diesen nicht einhalten können. Der Personalabbau und die Arbeitsverdichtung erzwingen eine Hetze, dieselbe Arbeit in der Hälfte der Zeit zu tun. In der Folge seien sie übermüdet, erschöpft und würden im Schlaf gestört. Sowohl Manager als auch abhängig Beschäftigte leiden unter dem Risiko des Ausbrennens. Mit dem Logo: "Mama Taxi" wird die Rolle der Hausfrau und Mutter skizziert, jederzeit verfügbar zu sein, um die steigenden Mobilitätswünsche ihrer Kinder zu erfüllen.

Gründe der Beschleunigung

Ist die wachsende Beschleunigung, die viele Menschen empfinden, ein Naturereignis, ein kollektives Schicksal? Nein, denn die Arbeitsverhältnisse und menschlichen Beziehungen sind das Resultat kollektiver und individueller Entscheidungen. Wo liegen die Gründe des allgemein gestiegenen Lebenstempos? Meine Hypothese lautet: Die informationstechnisch aufgeladenen Finanz­märkte haben seit Beginn des Jahrhunderts einen Megaschub an Beschleunigung er­zeugt. Sie sind ein lebensfeindliches Regime, das kaskadenförmig auf vier gesellschaftliche Teilbereiche zugreift: auf die börsennotierten Unter­nehmen, die staatlichen Entscheidungs­prozesse, die Arbeitsverhältnisse und die Privat­sphäre.

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