Christentum und Kapitalismus - Kirche im Kapitalismus

Beitrag von Bernhard Emunds zum Streitgespräch mit Rainer Hank

"`Diese Wirtschaftet tötet!´ (Papst Franziskus).Streitgespräch zu Kirche und Kapitalismus", am 6. Febraur 2014 in der Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen

(1) Das Christentum - ähnlich wohl auch das Judentum - ist von einer grundlegenden Spannung geprägt, die man mit verschiedenen Begriffspaaren beschreiben kann. Ich verwende hier das Begriffspaar "Religion" und "Glaube".

Christentum ist Religion: Christen machen sich diese Welt zu eigen, sie richten sich darin ein, sie gestalten sie auch mit. Sie machen beinahe bei allem und jedem mit und mischen bei alledem einen Transzendenzbezug unter, einen göttlichen Schimmer in dieses und jenes, eine Erinnerung an Gott, eine Erinnerung an den Gott aller Menschen, an den Gott, der alle Menschen liebt. Christentum ist Religion, Christentum ist inkarnatorisch.

Und: Christentum ist Glaube, ist der Aufbruch Abrahams ins Ungewisse, ist Annahme der Gnade, die ihren Ursprung nicht im Menschen selbst hat. Glaube steht für den Aufbruch der Israeliten aus dem Sklavenhaus Ägypten, steht für die Heilungen Jesu am Sabbat, für Jesu Wagnis, mit Dirnen und neureichen Zöllnern zu tafeln, steht für den Eintritt in die Dynamik der Gottesherrschaft; Glaube steht für das Pascha-Mysterium, für den Tod Jesu außerhalb der Mauern, für die Auferweckung und für den Wind des Heiligen Geistes und für das Sich-Erfassen-Lassen von dieser Dynamik. Glaubend setzen Christen und Juden darauf, dass sich – von Gott her, mit einem Mal – neue Möglichkeiten erschließen können, Möglichkeiten, die der bisherige Lauf der Dinge nicht erwarten lässt, Möglichkeiten, die das bisherige Funktionieren des Systems und die die bisher erkannten Variationsmöglichkeiten im System einfach nicht hergaben.

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