12.02.2014

Bernhard Emunds: "Diese Wirtschaft tötet" - Eingangsstatement zum Streitgespräch mit Rainer Hank online

Streitgespräch zu Kirche und Kapitalismus
am 6. Febraur 2014 in der Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen

Wie steht die Kirche zum Kapitalismus? Beförderte oder behinderte das Christentum wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand? Diese und weitere Fragen erörterten Dr. Rainer Hank und Prof. Dr. Bernhard Emunds in einem Streitgespräch. Anlass und Hintergrund ihrer Debatte war das apostolische Schreiben „Evangelii Gaudium“, in dem Papst Franziskus sich kritisch auf den Kapitalismus bezogen hatte ("Diese Wirtschaft tötet").

Ausgangspunkt der Überlegungen von Bernhard Emunds ist das Begriffspaar Religion und Glaube. Er zeigt auf, dass es im Christentum eine Spannung zwischen dem religiösen Sich-Einrichten und Gestalten der bestehenden Ordnung einerseits und dem glaubenden Aufbruch zu neuen Möglichkeiten des Menschseins andererseits gibt. Diese Spannung prägt das Verhältnis der Christen zu dem Gesellschafts- und Wirtschaftssystem, in dem sie leben und arbeiten und damit auch das der Kirche zur kapitalistischen Marktwirtschaft.

Im weiteren Verlauf plädiert Bernhard Emunds dafür, das Verhältnis des Christentums zur kapitalistischen Marktwirtschaft und der Kirche zu den Reichen nicht als feindselig zu begreifen. Ihm zufolge ist die kapitalistische Marktwirtschaft mit dem Christentum, wie es sich in Westeuropa ausgebildet hat, kulturell recht eng verbunden. Dies gilt aber nicht nur für die kapitalistische Marktwirtschaft, sondern auch für die Demokratie, die Menschenrechte und den Sozialstaat. Auch den von Rainer Hank in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (01.12.2013) veröffentlichen Vorwurf, die Kirche würde die Reichen verachten, kann Bernhard Emunds nicht nachvollziehen. Andere Gruppen der Gesellschaft hätten eher einen Grund, sich von der Kirche verachtet zu fühlen. Dem widerspricht nicht, dass die Kirche der christlichen Botschaft gemäß einen bevorzugten Adressaten ihrer Zuwendung hat: die Armen und Ausgeschlossenen.

Den gesamten Vortrag als PDF finden Sie hier.