Armut und prekäre Arbeit – Herausforderungen für die Kirche und ihre Caritas als Gerechtigkeitsbewegung

Bernhard Emunds

Meine sehr verehrte Damen und Herren, vor allem: liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas!

Über die Einladung, heute bei Ihnen zu referieren, habe ich mich sehr gefreut. Beginnen möchte ich mit einem “O-Ton”. Im Rahmen eines Monitoring-Projektes, in dem u.a. die Caritas im Bistum Limburg und das Nell-Breuning-Institut kooperieren, hat Dr. Thomas Wagner Arbeitslosengeld II-Empfänger und -Empfängerinnen interviewt (mittlerweile als Buch veröffentlicht: Wagner: Draußen – Leben mit Hartz IV, Freiburg/Br.2008).  Aus dem Gespräch, das Thomas Wagner mit Elisabeth Walter (Name geändert), einer 45-jährigen Hartz IV-Empfängerin, geführt hat, möchte ich Ihnen kurze Auszüge vortragen.

Frau Walter ist ausgebildete Industriekauffrau, alleinerziehende Mutter eines achtjährigen Sohnes und hat seit Sommer 2003 keine reguläre Arbeitsstelle mehr. Derzeit bessert Frau Walter ihr Arbeitslosengeld II mit einem Minijob auf, sodass sie und ihr Sohn monatlich etwa 700 Euro zum Leben haben. Thomas Wagner hat Frau Walter gefragt, ob sie mit diesem Geld über die Runden kommt. Sie antwortete: „Natürlich nicht. Und das hat Folgen. Bei einem Bewerbungsgespräch sagte mir der neue Arbeitgeber zum Beispiel, ich soll ein gepflegtes Äußeres mitbringen. Da habe ich zu ihm gleich gesagt: Ich habe nicht viele Klamotten. Ich kann das leider nicht mitbringen, weil wir haben ja nicht genügend Einkommen. Und das wird natürlich nicht finanziert."

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