Menschliche Entwicklung und der globale Wettbewerb

Markus Demele

Als der Wirtschaftswissenschaftler Theodore Levitt, ein deutscher Emigrant und ehemaliger Professor an der Harvard Business School 1983 in seinem Artikel "The Globalization of Markets" – also, „Die Globalisierung der Märkte“, als erster eben den Begriff der Globalisierung ins Spiel brachte, konnte er wohl unmöglich ahnen, welchen umfassenden Deutehorizont und welche Konnotationen noch 25 Jahre später mit diesem Schlagwort verbunden sein würden. Während damals der Begriff noch ein dezidiert ökonomisches Phänomen beschrieb, ist Globalisierung für uns heute ein deutlich mehrdimensionaler Begriff. Sicherlich noch immer primär auf den globalen Wirtschaftskreislauf bezogen, also auf den entgrenzten Waren- und Kapitalverkehr, auf neue Transport- und vor allem neue Kommunikationsmöglichkeiten, doch erfahren wir gerade mit Blick auf die Regulierungen seitens der Europäische Union und die Diskussionen um die Beteiligung an diversen NATO-Einsätzen deutscher Truppen, die immanent politische Dimension der Globalisierung. Globalem Handel folgt also ein internationaler Rechtsverkehr – internationaler Austausch erfordert supranationale Institutionen

Während die politische Dimension der Globalisierung eine notwendige Folge intensiverer Beziehungen der Menschen verschiedener Nationalstaaten ist, stellt die Verfügbarkeit kultureller Güter aus aller Welt, für die einen eine Bereicherung des persönlichen Lebensentwurfes dar, in dem sie die neueste Hitsingle aus den USA binnen weniger Stunden auf der heimischen Stereoanlage hören können und am Abend original indisch essen gehen oder via RyanAir für etwa den gleichen Preis nach Irland zu fliegen um dort das Wochenende zu verbringen. Kritiker sehen hingegen die Gefahr der „Verwestlichung“ der Kulturen, in dem der Lebensstil der entwickelten Länder dem Rest des Globus aufgenötigt wird.

Wer aber meint, sich dem Phänomen der Globalisierung entziehen zu können und sich allein der regionalen Wirtschaft, Tradition und Lebenswelt zuwendet, wird spätestens wenn er mit den Folgen des weltweiten Klimawandels oder mit dem nicht abreißenden Flüchtlingszustrom aus der Südhalbkugel konfrontiert wird erkennen müssen – auch Hattersheim oder sagen wir Hessen, bildet einen Straßenzug des „Global Village“, dass unser Planet nunmehr ist.

Was sind nun die Konsequenzen aus dieser Feststellung mit Blick auf die Ökonomie und damit auf die in der Wirtschaft agierenden Menschen? Zunächst kommen vielen von uns sicher die Bilder von entlassenen Arbeiterinnen oder Angestellten in den Kopf, die aufgrund von offshoring, der Auslagerung von Firmenteilen, ihren Arbeitsplatz an ein Billiglohnland verloren haben. Die niedrigen Transferkosten machen es möglich – der Anteil der Transportkosten am Endpreis von Fertigwaren wie Handtaschen oder einfachen Haushaltsartikeln, die aus China in einen deutschen Supermarkt gelangen, liegt im Schnitt bei unter 5%. Der Anteil der Lohnkosten, die die Unternehmen vor Ort den Arbeitern zahlen, liegt nur wenig darüber.

[Weiterlesen]