„Nicht nur Armut, sondern auch Reichtum muss ein Thema der politischen Debatte sein.“

Thomas Wagner

Biblisch-Theologische Anmerkungen zur wachsenden Armut in Deutschland

Der dritte nationale Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der voraussichtlich im 1. Quartal 2008 erscheint, wird wie die Berichte in den vergangenen Jahren die wachsenden Ungleichheiten in Deutschland beschreiben. Die Sorge um Sicherheit wächst, denn Hartz IV macht arm und neue „Lazarusschichten“ werden geschaffen. Die soziale Frage erfährt in Deutschland neue Relevanz. Im wirtschaftlichen Aufschwungs produziert der Umbau des Sozialstaats bzw. besser gesagt der Rückbau des Wohlfahrtstaats nicht nur eine ausgegrenzte Unterschicht, sondern setzt die Noch-Beschäftigten unter Druck, um einem Schicksal im Prekariat zu entgehen. In dieser Situation entdeckt die Politik einmal wieder die Familie und kündigt an, sie besser zu stützen.

Doch trifft dieser politische Ansatzpunkt? Als Empfänger von Hartz IV sind Kinder und Alleinerziehende besonders benachteiligt, darum sollten sie besser vom Gemeinwesen unterstützt werden. Die wichtigste familienpolitische Maßnahme in Deutschland, das Ehegattensplitting ist überholt, da durch die finanziellen Vorteile gerade nicht die eigentlich Bedürftigen gefördert werden. Jenseits des verfassungsrechtlich gewährten Vorrangs der Familie gegenüber anderen Lebensformen sind politische Konzepte gefragt, mit denen den wachsenden sozialen Ungleichheiten begegnet werden kann.

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