Gute Arbeit unter finanzkapitalistischen Verhältnissen?

Friedhelm Hengsbach SJ

„Durch Deutschland muss ein Ruck gehen“, forderte 1997 der damalige Bundes-präsident Herzog. Dieser Ruck geht inzwischen nicht nur durch Deutschland, sondern durch die Welt – anders jedoch, als Roman Herzog ihn sich vorgestellt hat. Diejenigen, die 30 Jahre lang das Vertrauen in die Steuerungskraft der Märkte gepredigt und den schlanken Staat als den besten aller möglichen Staaten angehimmelt haben, glauben ruckartig nicht mehr an die Selbstheilungskräfte des Marktes. Sie rufen nach dem Staat als einem einzigartigen Retter. Indirekt gestehen sie damit ein, dass die angeblich freie und soziale Marktwirtschaft ein komplexes kapitalistisches Machtgeflecht darstellt, das bisher zwar indirekt angesprochen aber nicht in den verschiedenen Formen staatlicher Macht, doktrinärer Mythen, normativer Grundsätze und gesellschaftlicher Erwartungen identifiziert worden ist.

Das Schnüren von Rettungspaketen einzig dem Staat anzuvertrauen, verrät den blinden Fleck der Finanzeliten, die eine Sanierung der Schäden, die sie selbst verursacht haben, von einem Akteur erwarten, der mit seinen isolierten, kurzatmigen und widersprüchlichen Reaktionen selbst ein Bestandteil der Finanzkrise einschließlich ihrer sozialen und ökologischen Dimensionen ist. Einer solchen sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Diagnose möchte ich mich ansatzweise widmen. Die staatlichen Organe wären allein maßlos überfordert, wollten sie sich daran machen, neben dem Rettungsschirm für „notleidende“ Banken und dem für gefährdete Unternehmen  einen weiteren für Arbeitnehmer aufzuspannen und „gute Arbeit“ in den Unternehmen zu sichern. 

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