Neue Armut und soziale Gerechtigkeit

Friedhelm Hengsbach SJ

25 Jahre Schuldnerberatung und 25 Jahre Wohnungslosenhilfe im Sozialdienst katholischer Frauen von Ratingen - wie passt eine Jubiläumsfeier zum Selbstverständnis einer barmherzigen Samariterin? Wenn sie die Notlage der Ausgeschlossenen sieht, ihnen unter die Arme greift und sie aufrichtet, warum sollte sie dies verdrängen? Wenn sie für ihre guten Tagen Geld braucht, warum sollte sie dies verschweigen? Und wenn sie gefragt wird, warum sie dies tut, warum sollte sie nicht von ihrer Hoffnung Rechenschaft ablegen? Zur Reflexion über dies Fragen möchte ich Sie einladen.   

1. Armut in einem reichen Land

Der dritte Armuts- und Reichtumsbericht belegt detailliert, was vor mehr als zehn Jahren die Großkirchen in ihrem Gemeinsamen Wirtschafts- und Sozialwort formuliert hatten: "Tiefe Risse gehen durch unser Land: vor allem der von der Massenarbeitslosigkeit hervorgerufene Riss, aber auch der wachsende Riss zwischen Wohlstand und Armut oder der noch längst nicht geschlossene Riss zwischen Ost und West". Seit dieser Zeit ist die Armutsrisikoquote kontinuierlich gestiegen. Sie lag 2005 gemäß einer erstmaligen EU-Erhebung bei 13%,für Alleinerziehende bei 24%, für Migranten bei 28%, für Arbeitslose bei 46%. Die Armutsrisikoquote bisheriger Zeitreihen liegt höher - bei 15% oder gar bei 18%. Kinder trifft ein überdurchschnittliches Armutsrisiko, wenn sie mit Alleinerziehenden oder mit arbeitslosen Erwachsenen zusammenleben. Die Zahl der dauerhaft Armen ist gleichfalls gestiegen. Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld II hat 2005-2007 zugenommen.

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