Du Narr, wem wird es gehören?

Friedhelm Hengsbach SJ

Er sprach aber ein Gleichnis zu ihnen und sagte: Eines reichen Menschen Land trug viel Frucht, und er überlegte bei sich selbst und sagte: Was werde ich tun, da ich keinen Platz habe, meine Frucht einzubringen? Und er sprach: Das werde ich tun; ich werde meine Scheunen niederreißen und größere bauen, und dort werde ich all mein Getreide und meine Güter einbringen und werde zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter für viele Jahre liegen. Sei ruhig, iss, trink, freue dich. Gott aber sprach zu ihm: Du Narr, in dieser Nacht fordern sie deine Seele von dir; was du vorbereitet hast, wem wird es gehören? So geht es dem, der für sich selbst sammelt und sich nicht in Gott bereichert. (Lk 12, 16-21)  

Liebe Schwestern und Brüder,  

das Lukasevangelium enthält starke reichtums- und geldkritische Texte – mehr als die übrigen Evangelien. Während der Begegnung mit Elisabeth kündet Maria die radikale Wende der gesellschaftlichen Positionen durch Gott an: „Mächtige hat er von den Thronen gestürzt und Niedrige erhöht, Hungrige  mit Gütern erfüllt und Reiche leer weggeschickt“ (1, 52 f.). In der Feldrede prangert Lukas den Kontrast zwischen Reichtum und Armut an. „Wehe euch, den Reichen, denn ihr habt euren Trost schon. Wehe euch, die ihr jetzt gesättigt seid, denn ihr werdet hungern“ (6,24 f.). Ein Kompromiss ist ausgeschlossen: „Kein Sklave kann zwei Herren dienen. Entweder wird er den einen hassen und den andern  lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon“ (16,13). Einer der führenden Männer kommt zu Jesus und fragt ihn: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus verweist ihn auf die Gebote. Aber die hat er von Jugend an befolgt. Dann fehlt ihm noch eines, nämlich alles zu verkaufen, was er hat und den Armen zu verteilen, um Jesus nachzufolgen. „Als er dies gehört hatte, wurde er ganz traurig. Denn er war sehr reich. Als Jesus sah, dass er ganz traurig wurde, sagte er: Wie schwer ist es für jene, die Güter haben, ins Reich Gottes zu  gelangen. Denn leichter  geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Reich Gottes“ (18, 24).

Die ergreifende und traurige Geschichte vom reichen Mann und vom armen Lazarus klingt schockierend. Vor dem Portal des Hauses, in dem der Reiche tafelt, liegt Lazarus, der gern mit dem gesättigt worden wäre, was von dessen Tisch fiel. Nun sterben Lazarus und der reiche Mann. Lazarus wird von den Engeln an die Brust Abrahams getragen. Als der Reiche in der Unterwelt dies sieht, bittet er Abraham, barmherzig zu sein und Lazarus zu ihm zu schicken, dass dieser seine Zunge mit einem Tropfen Wasser kühle und die Glut seines Leidens lindere. Abraham sagt ihm, dass zwischen den beiden eine so große Kluft besteht, dass niemand von hier nach dort und von euch zu uns kommen kann, selbst wenn er es  wollte. 

 

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