Finanzwirtschaft - kein Selbstzweck

Bernhard Emunds/Wolf-Gero Reichert

Die globale Finanzkrise geht nicht auf eine unglückliche Verkettung einzelner politischer oder bankbetrieblicher Fehlentscheidungen zurück, sondern auf grundlegende Charakteristika der heutigen Finanzwirtschaft. Besonders betroffen ist die Gruppe der Entwicklungs- und Transformationsländer. Könnendie Beschlüsse des G 20-Gipfels in London wirklich Abhilfe schaffen?

Aufgrund dauerhaft hoher Verluste benötigte im Sommer 2008 die Investmentbank Lehman Brothers zusätzliches Eigenkapital. Weil keine privatwirtschaftlichen Investoren neues Geld in die taumelnde Bank einbringen wollten, stand der US-Finanzminister vor der Frage, ob er mit Steuergeldern die Bank retten solle. Henry Paulson, der vor Annahme des Ministerpostens als Vorstandsvorsitzender von Goldman Sachs, einem der größten Lehman-Konkurrenten, gearbeitet hatte, beschloss, nicht einzugreifen, so dass LehmanBrothers am 15. September Insolvenz anmeldete.

Mit diesem Konkurs weitete sich die nach den so genannten „Subprime-Krediten“ (Kredite mit nicht optimaler Bonität) bezeichnete „Subprime-Krise“ zu einer globalen Finanzkrise, welche die Weltwirtschaft insgesamt in eineRezession zwingt (vgl. HK, September 2008, 460ff.). In der Finanzwirtschaft sind seitdem die Kurse zahlreicher Finanztitel und diePreise von Immobilien noch weiter abgerutscht. Island, Ungarn, Ukraine,Weißrussland, Südkorea – immer mehr Länder gerieten in massive Zahlungsschwierigkeiten. Den international aktiven Finanzinstituten schnüren die realen und die drohenden Ausfälle den Atem ab. Immer mehr von ihnen können nur überleben, weil die Regierungen ihnen problematische Vermögenswerte abkaufen, für sie Bürgschaften übernehmen, frisches Kapital in sie einbringen oder sie vollständig in Staatsbesitz überführen.

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