Weltwirtschaft im Chaos. Christliche Orientierungen einer gerechten Globalisierung

Markus Demele

„Von Köln bis Kolumbien - Weltwirtschaft im Chaos“ sind diese Gedanken überschrieben. In der Erklärung die diese Diözesanversammlung verabschiedet heißt es unter anderem. „Gefragt ist ein entschlossenes politisches Handeln bei uns, in Europa und weltweit für Demokratisierung und soziale Gerechtigkeit, für einen öko-sozialen Umbau hin zu einer Wirtschaftsform, die den Menschen dient und den Hunger in der Welt nachhaltig beseitigt.“ Und diese Forderung ist richtig und dringlich. Den Voraussetzungen und Begründungen dieses Aufrufes möchte im Folgenden nachgehen. Dazu ist es sicher wichtig in einem ersten Schritt zu erkennen, wie das desaströse Spiel mit dem großen Geld auf den Finanzmärkten auf die real produzierende Wirtschaft übergreifen konnte.

Wir wollen also in der kommenden Stunde fragen: was sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise und was wurde seitens der Regierungen bisher gegen die Krise unternommen – sowohl international, als auch hier in Deutschland? Und auch: was haben diese Maßnahmen bisher überhaupt gebracht bzw. wie wird es aller Vorausicht nach mit unserer Wirtschaft weitergehen? Schließlich möchte ich eigentlich nur ein Dokument der römischen Sozialverkündigung in das Zentrum einer ethischen oder hier besser christlichen Perspektive auf unsere gegenwärtige Weltwirtschaft stellen: die Enzyklika „Populorum Progressio“ von Paul VI. Der Papst stellt darin fest: „Die Welt ist krank!“. Und das jetzige Wiederlesen des Textes im Lichte der Wirtschaftskrise hat mich an einigen Stellen Schaudern gemacht: die meisten der da angesprochenen Ursachen der Krankheit der Welt sind noch heute existent und die damals geforderten Gestaltungselemente einer Globalisierung mit menschlichem Antlitz sind bis heute nicht eingelöst. Ein genauerer Blick auf das Dokument lohnt sich also.

Meine Kernthese im Bezug auf die Wirtschaftskrise lautet: die Abwertung menschlicher Arbeit hier in Deutschland und in der gesamten Weltwirtschaft hat diese Krise massiv mit verursacht. Schenken wir dem Faktor Arbeit im Wirtschaftsprozess nicht mehr Bedeutung, so wird er weiter nur als Kostenfaktor betrachtet werden und die Kapitaleigentümer werden alsbald die nächste Spekulationsblase aufblasen und zum Platzen bringen. Dieser Gedanke wird meine Überlegungen prägen – besonders aber den Ausblick und die Handlungsempfehlungen, die ich am Ende formulieren möchte. Kolping zeigt im Übrigen auch hier, so finde ich, sein Gespür für aktuelle Themen. Denn Arbeit ist in diesen Zeiten absolut zu Recht das 5-Jahres-Thema des internationalen Kolpingwerkes – in diesem Jahr mit dem traurigen Schwerpunkt „Arbeitslosigkeit“.

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