Die politische Dimension kirchlichen Handelns - Systematischer Zugang

Friedhelm Hengsbach SJ

Der Versuch, systematische Zugänge zur politischen Dimension kirchlichen Handelns zu erschießen, scheint sich auf den ersten Blick nicht in die Veranstaltungslogik der Mainzer Tagung einzufügen. Denn diese thematisiert die politische Aufgabe von Religion aus der Perspektive des Judentums, des Islam und des Christentums, also der so genannten abrahamitischen Religionen. Dabei wird dem Christentum eine differenzierte Analyse von fünf Traditionen, nämlich der römisch-katholischen, der orthodoxen, der lutherischen, der reformierten und der freikirchlichen Traditionen eingeräumt. Doch gegen den Augenschein der Überschrift beschränkt sich meine Reflexion erstens auf die römisch-katholische, konfessionell verfestigte Tradition des Christentum und zweitens auf die historischen Phasen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, wie sie mein Kollege Burkard nachgezeichnet hat.

Eine römisch-katholische, konfessionell ausdifferenzierte Tradition kann es streng genommen erst seit der Reformation geben. Allerdings ist "römisch-katholisch" keine Selbstbezeichnung der katholischen Kirche, weil das Wort "katholisch" ursprünglich nicht konfessionell verengt war. Die Bezeichnung folgt der öffentlich-amtlichen Eintragung in den Personalausweis bzw. in die Lohnsteuerkarte. Sie steckt den Geltungsbereich des lateinischen Ritus oder das kirchen­rechtliche Regimes des Kanonischen Rechts, wie es im Codex Iuris Canonici niedergelegt ist.

Im Folgenden werde ich Merkmale der römisch-katholischen, konfessionell ausdifferenzierten Spielart des Glaubensverständnisses skizzieren, um danach fünf typisierte Kirchenformen vorstellen.

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