Die Zukunft der Arbeit ist die Arbeit am Menschen

Friedhelm Hengsbach SJ

Vor fünfzig Jahren hat Hannah Arendt die Ahnung ausgesprochen: "Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein?" Inzwischen ist eine verfestigte Massenarbeitslosigkeit mit Episoden einer abnehmenden Zahl offener Stellen nicht nur eine verhängnisvolle Vorahnung, sondern bedrohliche Wirklichkeit. Daran ändern weder die erfolglosen Verheißungen der Regierenden etwas, dass sie in wenigen Jahren die Arbeitslosigkeit verringern, halbieren oder ganz beseitigen werden, noch die aktuellen Erfolgsmeldungen, dass die Signale des Arbeitsmarkts auf Entwarnung stehen. Von den während eines halben Jahres registrierten Abgängen aus der Arbeitslosigkeit landen gerade mal 6% in einer regulären Beschäftigung; nach einem Jahr sind es nicht einmal mehr 2%, die darin geblieben sind. Von den neu geschaffenen Arbeitsplätzen sind 50% prekäre Arbeitsverhältnisse - Teilzeitarbeit, Leiharbeit, geringfügige Beschäftigung. Gleichzeitig verharrt eine halbe Million Jugendlicher in Warteschleifen, die ein Parallel-Universum aus unfreiwilliger Berufsschule, Berufsvorbereitung oder Praktikum jenseits des Ausbildungssystems darstellen. Ist auf Grund dieser Art wirtschaftlicher Belebung ohne sichere Arbeitsplätze und angemessenes Einkommen mit der Aussicht einer drohenden wirtschaftlichen Stagnation, die der Immobilien- und Hypothekenkrise in den USA folgt, der Schluss berechtigt, dass das Ende der Erwerbsarbeit in Sicht ist? Ich denke, Nein.

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