Ein Menschenrecht auf Arbeit?

Friedhelm Hengsbach SJ

Die verfestigte Massenarbeitslosigkeit in Deutschland seit mehr als einem Vierteljahrhundert, die Ausbreitung prekärer Arbeitsverhältnisse, die durch die staatlichen Organe verursachte soziale Entsicherung, wodurch den Betroffenen die wirtschaftliche Einbindung und das Recht auf gesellschaftliche Beteiligung geraubt wird, scheinen den Propheten, die das Ende der Arbeit verkünden, Recht zu geben. Hannah Arendt hatte bereits vor mehr als 50 Jahren die Ahnung ausgesprochen: "Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein?" Inzwischen zweifelt Jeremy Rifkin daran, dass wir im nächsten Jahrhundert noch arbeitende Menschen brauchen. Horst Afheldt ist davon überzeugt, dass ein globaler Arbeitsmarkt unter Einschluss der Bevölkerungsmassen der dritten Welt die menschliche Arbeit "billig wie Dreck" werden lasse. Ulrich Beck sieht die Welt auf einen "Kapitalismus ohne Arbeit" zulaufen. Ralf Darendorf findet, dass Vollbeschäftigung unerreichbar und überflüssig sei, während Meinhard Miegel sie für eine "sozialromantische Utopie" hält. Götz Werner hält es daraufhin für folgerichtig, Arbeit und Einkommen zu entkoppeln und ein bedingungsloses Grundeinkommen anzubieten. Die Proklamation eines Rechts auf Arbeit scheint ins Leere zu laufen. Sie wirkt anachronistisch.

Meine Reflexion über ein Recht auf Arbeit will ich in drei Schritte gliedern. Zunächst werde ich die Stellungnahme der beiden Kirchen in Deutschland erläutern, die in ihrem Gemeinsamen Wort 1997 ein Recht auf Abeit behauptet haben. Dann sollen die Einwände gegen ein Recht auf Arbeit dargelegt werden. Und schließlich will ich versuchen, ein Recht auf Arbeit gesellschaftsethisch zu begründen.

[Weiterlesen]