Familie und Alter – Lebensformen zwischen Deinstitutionalisierung und pflegepolitischer Reinstitutionalisierung

In den 1960er-Jahren beginnt die Familie bürgerlichen Zuschnitts ihre normative 'Monopolstellung' zu verlieren. Es kommt zu einer Erosion der normativen Verbindlichkeit des bürgerlichen Familienmusters. Dieser Prozess wird mit Hartmann Tyrell als "Deinstitutionalisierung" beschrieben. Nahezu zeitgleich zu dieser Entwicklung tritt eine Generation auf den Plan, die die vormals der Familie – insbesondere den Müttern – obliegenden Sorgetätigkeiten für (Klein-)Kinder neu organisieren. Während die Sorgearbeit für (Klein-)Kinder also eine 'familienferne' Institutionalisierung erfährt, ist im Bereich der Pflege hochbetagter Menschen die Familie bis heute einer besonderen Beanspruchung ausgesetzt, die der konstatierten Deinstitutionalisierung eigentümlich entgegensteht. Just die Generation, die vor etwa 50 Jahren einen neuen Typus der Kinderbetreuung, -versorgung und -erziehung etablierte, wird in Kürze selbst pflegebedürftig. Ist eine Pflegepolitik heute noch zeitgemäß, die hartnäckig auf den 'katholisch-familialistischen' Grundsatz "ambulant vor stationär" setzt? Kann diese Ausrichtung den gestiegenen Anforderungen an die Pflegenden gerecht werden? Wird das Subsidiaritätsprinzip womöglich missbräuchlich in Stellung gebracht, um an der kostengünstigen Angehörigenpflege festzuhalten und den Aufbau eines servicebasierten Pflegesystems mit hoher öffentlicher Finanzierung zu vereiteln? Diesen Fragen geht der Artikel nach und unterzieht die pflegepolitische 'Reinstitutionalisierung' der Familie einer sozialethischen Reflexion.

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