Frankfurter Finanzethisches Forum

Haben sich die internationalen Finanzmärkte von der Realwirtschaft entkoppelt und wirken nun negativ auf diese zurück? Wer überschaut die Risiken, die sich im Finanzsystem sammeln, und wie kann deren Übernahme und Verarbeitung gesteuert werden? Wie weit kann, darf oder muss ein Verantwortlicher eines Finanzinstituts gehen, um Gewinne für sein Institut zu erwirtschaften oder zu steigern? Diese und andere ethische Fragen stellen sich denjenigen immer wieder, die in der Finanzbranche tätig sind oder die deren Entwicklung als Wissenschaftler kritisch begleiten. Die noch anhaltende Krise der Finanzmärkte zeigt erneut, wie drängend diese Fragen sind. Das Frankfurter Finanzethische Forum, das wir, die Unterzeichnenden, gegründet haben, dient dem Dialog über solche grundsätzlichen Fragen der Finanzpraxis.

Abgesehen von einzelnen öffentlichen Veranstaltungen besteht das Forum aus einem internen Gesprächskreis, der dem intensiven fachlichen Austausch über aktuelle Entwicklungen der Finanzpraxis und die damit verbundenen ethischen Herausforderungen gewidmet ist. Zu dem Gesprächskreis eingeladen sind Praktiker aus den Finanzinstituten sowie Vertreter verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen, der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, der Praktischen Philosophie und der theologischen Sozialethik. In diesem Dialogkontext haben Praktiker die Möglichkeit, Zielkonflikte und Dilemmasituationen ihrer finanzwirtschaftlichen Praxis zu reflektieren, während Theoretiker verschiedener Couleur ihre Analysen und Bewertungen mit den Einsichten und Einschätzungen von Brancheninsidern konfrontieren können.

Bei den Gesprächen wird es auch um die Frage gehen, wer auf welchen Ebenen der Finanzinstitute über welche Handlungsspielräume verfügt und deshalb in welchem Maße verantwortlich ist: die einzelnen Mitarbeiter in ihrem beruflichen Handeln, die Vorstände im Aufbau und Nutzen von Strukturen und alle gemeinsam - zusammen mit den einschlägigen Fachpolitikern und allen anderen Bürgerinnen und Bürgern - für die politische Gestaltung der Finanzmärkte.

Die Initiative zur Gründung des Frankfurter Finanzethischen Forums wird von Bildungsinstitutionen aus dem Rhein-Main-Gebiet getragen, die durchaus unterschiedliche Grundpositionen vertreten und eine fruchtbare Diskussion erwarten lassen: Das Oswald von Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik der Hochschule Sankt Georgen, der Lehrstuhl für Internationales Bank- und Finanzwesen der Johann Wolfgang Goethe Universität, die Frankfurt School of Finance & Management, der Lehrstuhl für die Ökonomie von Finanzinstitutionen der European Business School in Oestrich-Winkel und das Akademische Zentrum Rabanus Maurus in Frankfurt am Main.

Prof. Dr. Erich Barthel, Frankfurt School of Finance & Management
Prof. Dr. Bernhard Emunds, Nell-Breuning-Institut
Prof. Dr. Reinhard H. Schmidt, Goethe-Universität
Prof. Dr. Marcel Tyrell, European Business School
Dr. Georg Horntrich, Akademisches Zentrum Rabanus Maurus

Wir laden Sie herzlich ein - ob als Privatperson oder Vertreter einer Organisation -, im Gesprächskreis des Frankfurter Finanzethischen Forums, der sich drei bis vier Mal im Jahr treffen wird, mitzuwirken.

Haben Sie Interesse, an der Fachdebatte zwischen Praktikern der Finanzwirtschaft und Theoretikern verschiedener Fächer und Schulen teilzunehmen, dann wenden Sie sich bitte an nbi(ät)sankt-georgen.de, an g.hontrich(ät)bistum-limburg.de oder an e.barthel(ät)frankfurt-school.de.