Die Debatte um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands wird derzeit stark von der Forderung nach neuem Wachstum geprägt. Doch welche ökologischen Kosten sind mit dieser Fixierung verbunden? Und lässt sich gesellschaftlicher Wohlstand langfristig überhaupt durch immer weiteres Wirtschaftswachstum sichern?
Diesen Fragen geht Prof. Dr. Bernhard Emunds in seinem aktuellen Beitrag „Wider die ökologische Regression. Wachstumskritische Überlegungen – im Gespräch mit Tim Jackson“ nach. Der Artikel ist in der Fachzeitschrift Amos International erschienen.
Im Mittelpunkt des Beitrags steht die Auseinandersetzung mit dem britischen Ökonomen Tim Jackson und dessen Idee eines "Wohlstands ohne Wachstum". Emunds zeigt, dass Jackson die ökologische Krise als Folge einer Wirtschaft versteht, die auf dauerhaftes Wachstum angewiesen ist. Als Alternative skizziert Jackson eine Postwachstumswirtschaft, in der Wohlstand stärker über Gesundheit, soziale Teilhabe, Bildung, Kultur und gute öffentliche Infrastrukturen definiert wird als über immer mehr Konsum. Emunds würdigt diesen Ansatz als wichtigen Impuls für die wachstumskritische Debatte, weist aber zugleich auf die offenen politischen und sozialethischen Fragen einer solchen Transformation hin. Einen eigenen Akzent setzt er bei der Rolle von Produktivitätsfortschritten: Diese sollten nicht verhindert, sondern für eine Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit und für mehr soziale und geschlechtergerechte Teilhabe genutzt werden. Die ökologische Transformation müsse daher immer auch als Aufgabe einer gerechten Neuordnung von Arbeit und Zeit verstanden werden.