In der Buchreihe "Gesundheitsforschung. Interdisziplinäre Perspektiven" werden im aktuellen Band "Arbeit und Gesundheit" zu diesem Verhältnis neusten Forschungsergebnisse aus der Medizin, Biologie, Ethik, Jura, Public Health, Soziologie, Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Pflegewissenschaft zusammengetragen.
Gemeinsam mit Jonas Hagedorn hat Bernhard Emunds in dieser Reihe einen Artikel zum Thema: "Gerechtigkeitsprobleme der Pflegeerwerbsarbeit" veröffentlicht. Pflegearbeit, so argumentieren Hagedorn und Emunds, zählt zu den gesellschaftlich notwendigen Arbeiten, deren temporärer Ausfall sofort Substitutionsbedarf auslöst. Irgendjemand muss die Pflege übernehmen, wenn die pflegebedürftigen Menschen und das normative Selbstverständnis der Gesellschaft nicht schweren Schaden nehmen sollen. Zum weit überwiegenden Teil wird Pflegearbeit unentgeltlich geleistet, hierzulande vor allem im Rahmen der Angehörigenpflege.
Im vorliegenden Beitrag ist der Fokus jedoch auf die
Arbeitsbedingungen der erwerbsmäßig Pflegenden im deutschen Pflegesystem gerichtet.
Gerechtigkeitsprobleme der Pflegeerwerbsarbeit werden herausgearbeitet.
Unter Bezugnahme auf Amartya Sens capabilities-Ansatz werden zunächst
ethische Perspektiven entwickelt, die die normativen Maßstäbe bereitstellen, anhand derer
bestimmte Aspekte der gesellschaftlichen Organisation von Pflegeerwerbsarbeit oder soziale
Ungleichheiten zwischen Pflegekräften und anderen Berufsgruppen überhaupt erst als
Gerechtigkeitsprobleme erfasst werden können. Darauf folgt ein
ursachenanalytischer Teil, der einerseits soziologisch und andererseits ökonomisch erklärt, warum die Pflege(erwerbs)arbeit gesellschaftlich abgewertet wurde und bis heute einem
enormen Kostendruck ausgesetzt ist. Vor diesem Hintergrund werden konkrete Gerechtigkeitsprobleme der formellen und der informellen
Pflegeerwerbsarbeit skizziert.
Der gesamte Artikel ist hier open-access verfügbar.