Modelle der Live-In-Pflege. Rechtswissenschaftliche und sozialethische Vorschläge zur Weiterentwicklung einer personenbezogenen Dienstleistung

Bearbeitung: Simone Habel

Leitung: Bernhard Emunds

Gefördert durch: Hans Böckler Stiftung

Laufzeit: 2020 - 2021

Die häusliche Pflege durch fast ausschließlich weibliche Migrantinnen aus Mittel- und Osteuropa, die in den Haushalten der Pflegebedürftigen nicht nur arbeiten, sondern auch wohnen, ist ein fester Bestandteil des deutschen Pflegesystems geworden. Diese sogenannten „Live ins“ leisten Schätzungen zufolge ein Viertel der bezahlten Pflegearbeit in Deutschland. Die rechtliche Situation ist hierbei von Intransparenz und flächendeckenden Gesetzesverstößen geprägt; die Mehrheit der Live-in-Pflege findet in Schwarzarbeit statt. Jedoch arbeiten einzelne Agenturen und Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände an Modellprojekten, die den Anspruch rechtlicher Zulässigkeit und größerer Fairness gegenüber den Erwerbstätigen erheben. Das Forschungsprojekt untersucht diese Vorreiter der Vermittlungsbranche und fragt nach Chancen einer Weiterentwicklung dieser bestehenden Formen der rechtlichen Organisation der Live-in-Pflege.

Ziel des Vorhabens ist eine juristische und sozialethische Bewertung der Organisation von Pflegearbeit in den Modellprojekten sowie die Entwicklung politischer Handlungsempfehlungen. Die organisationalen und rechtlichen Strukturen der Modellprojekte werden durch qualitative Methoden, wie Dokumentenanalyse, Inhaltsanalyse und Expert*inneninterviews, erhoben. Zudem wird die Literatur zum Einsatz digitaler Technologien in Hinblick auf Potenziale der Zeitersparnis der Bereitschaftszeit und damit der Möglichkeit der Arbeitszeitreduktion der Live-in-Erwerbstätigen analysiert. Eine ethische und rechtliche Bewertung der bestehenden Modellprojekte und möglicher Gestaltungsoptionen erfolgt unter Einbezug sozialpolitischer und rechtswissenschaftlicher Fachdebatten. Auf Basis dieser Ergebnisse sollen Entwicklungsperspektiven und Gestaltungsvorschläge entwickelt werden.

Projektleitung:

Prof. Dr. Bernhard Emunds (Hochschule Sankt Georgen Frankfurt/Main, Nell-Breuning-Institut)  

Prof. Dr. Eva Kocher (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, Juristische Fakultät) 

Projektbearbeitung:

Simone Habel (Hochschule Sankt Georgen Frankfurt/Main, Nell-Breuning-Institut)

Rebekka Pflug (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, Juristische Fakultät)  

Weitere Informationen in der Forschungsdatenbank der HBS

Im Rahmen des Projekts sind bisher folgende Veröffentlichungen entstanden:  

  • Habel, Simone; Tschenker, Theresa (2022, im Erscheinen): Reduktion der Arbeitszeit in der Live-In-Pflege. Eine interdisziplinäre Untersuchung von Maßnahmen der Vermittlungsagenturen. HBS Study.
  • Habel, Simone; Hengst, Magdalene (2021): Digitale Technologien in der Live-In-Pflege. „Ambient Assisted Living“ zur Reduktion von Arbeitszeit? HBS Working Paper.
  • Habel, Simone (2021): Narratives on Working Hours: An Analysis of “Pioneer” Brokering Agencies for Live-in Care Work in Germany, in: Sociológia, Vol. 53, No. 5, S. 463-482. Hier abrufbar.
  • Emunds, Bernhard; Kocher, Eva; Habel, Simone; Pflug, Rebekka; Tschenker, Theresa; von Deetzen, Verena (2021): Gute Arbeit für Live-In-Care. Gestaltungsoptionen für Praxis und Politik. Policy Paper. NBI-Positionen 2021/2. Hier abrufbar.
  • Habel, Simone (2021): Die neuen Akteure auf dem 'grauen Markt'. Vermittlungsagenturen in der Live-In-Pflege, in: Emunds, Bernhard; Degan, Julian; Habel, Simone; Hagedorn, Jonas (2021): Freiheit – Gleichheit – Selbstausbeutung. Zur Zukunft der Sorgearbeit in der Dienstleistungsgesellschaft. Marburg: Metropolis (Die Wirtschaft der Gesellschaft, Jahrbuch 6),  220-236.
  • Emunds, Bernhard; Habel, Simone (2020): Von der Schwarzarbeit zum "grauen Markt" - und darüber hinaus? Neuere und künftig notwendige Entwicklungen der sog. 24-Stunden-Pflege, in: Pflege-Report 2020, Berlin: Springer, 111-121. Hier abrufbar.
  • Habel, Simone; Tschenker, Theresa (2020): Stay At Work. Zur Situation der Live-In-Pflege in der Corona-Krise, in: Soziale Sicherheit 6/2020, 215-219. Hier kostenpflichtig abrufbar.