Gibt es ein Recht auf urbanen Wohnraum? Sozialethische Analysen.

Bearbeitung: Julian Degan

Leitung: Bernhard Emunds

Gefördert durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Laufzeit: 2019 - 2022

Seit gut einem Jahrzehnt ist Wohnraum in den wirtschaftsstarken Ballungsräumen Deutschlands erneut zu einem höchst knappen Gut geworden. Neben der Abnahme des sozialen Wohnungsbaus bzw. der Sozialbindung neu entstehender Wohnungen dürfte zu den wesentlichen Ursachen dafür auch die steigende Attraktivität urbaner Räume, insbesondere der Innenstädte gehören. Mit ihr intensivierte sich der Wettbewerb um Wohnimmobilien bzw. um Mietwohnungen, die gut gelegen, angebunden und ausgestattet sind. Mit steigenden Mieten und der Erwartung steigender Immobilienpreise wurden Immobilien – auch Wohnimmobilien für zahlungskräftige Mieter*innen – immer mehr zu begehrten Investitionsobjekten, zumal im Niedrigzinsumfeld viele Investmentalternativen ausfallen. Im Zuge dieser Entwicklungen hat sich gerade urbaner Wohnraum, der auch für untere und mittlere Einkommensschichten bezahlbar ist, zu einem äußerst knappen Gut entwickelt. Gleichzeitig häufen sich in vielen ländlichen Regionen leerstehende Wohnungen. Während Städte und Ballungsräume also als Wirtschafts- und Lebensräume an Attraktivität gewinnen, sind in eher abgelegenen, schlecht angebundenen Gegenden Abwanderungs- und sogar Verödungstendenzen zu konstatieren. Die Wohnraumproblematik ist daher in den letzten Jahren zu einer der brennendsten sozialen Fragen unserer Zeit geworden.

Vor diesem Hintergrund haben das Nell-Breuning-Institut und der Lehrstuhl für Systematische Theologie (Schwerpunkt Ethik und Hermeneutik) der Humboldt-Universität zu Berlin (Prof. Dr. Torsten Meireis) die Arbeit an einem konfessionsübergreifenden Verbundprojekt aufgenommen. Da sich die Wohnraumfrage gerade in den Ballungsräumen zuspitzt, ist das Ziel des von der DFG geförderten, auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekts, zu erörtern, ob es ein moralisches Recht auf angemessenen Wohnraum in der Stadt geben kann, was ein solches Recht implizierte und wie es gegebenenfalls zu implementieren wäre.

Kernbestandteile des Projektes sind erstens eine ethische Reflexion einschlägiger sozialethischer, wissenschaftlicher sowie politischer Positionen zu Wohnungswirtschaft und Raumpolitik seit Beginn der Bonner Republik, zweitens eine Analyse und ethische Reflexion der gegenwärtigen Raumordnung und Verteilung von Wohnraum sowie drittens die Herausarbeitung einer eigenen ethischen Position zur Frage, ob es ein moralisches Recht auf urbanen Wohnraum geben kann.

Weitere Informationen in der Forschungsdatenbank des DFG:

Weitere Informationen zur Projektgestaltung in Berlin: